Hochstimmung an der Börse trotz schlechter Wirtschaftslage

Die allgemeine Annahme, eine schlechte Konjunktur führe automatisch zu sinkenden Aktienkursen, ist ein weitverbreiteter Irrglaube. Die aktuelle Hochstimmung an der Börse beweist genau das Gegenteil. Trotzdessen ist der Aktienmarkt äusserst nervös und reagiert blitzschnell und heftig auf kleinste Negativschlagzeilen, wie eine jüngst durch den Nachrichtendienst Twitter verbreitete Falschmeldung zeigte.

Wirtschaft

Das Zusammenspiel zwischen Konjunktur und Börse

Ein brummender Konjunkturmotor hat für Sparer den Vorteil, aus mehreren Alternativen zur attraktiven Geldanlage wählen zu können. Der Kauf von Aktien ist bei guter wirtschaftlicher Lage nicht automatisch eine günstige Option, denn der Leitzins ist in diesen Zeiten relativ hoch, um Inflationsgefahren entgegenzutreten. Das bedeutet für den Sparer hohe Sparbuch- bzw. Tagesgeldzinsen, wodurch diese Anlageform nicht nur sicher, sondern auch günstig wird. Im Gegenzug wird der Leitzins bei schwacher Konjunktur gesenkt, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Ein niedriger Leitzins bedeutet für Unternehmen die Möglichkeit der günstigen Kreditaufnahme mit dem Ziel der Wirtschaftsbelebung. Sparen wird aufgrund niedriger Zinsen unattraktiv, potenzielle Geldanleger lassen das Kapital eher in den Markt fliessen, was ebenfalls der Wirtschaft zugutekommt. Wer sein Geld in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten dennoch nicht ausgeben möchte, sieht sich vor wenige Alternativen gestellt: diese bestehen im Kauf von Edelmetallen oder Aktien. Letztere versprechen Dividenden und Gewinnmitnahmen durch Wiederveräusserung bei steigenden Kursen – und das völlig unabhängig vom Leitzins!

Die momentane positive Stimmung an der Börse

Während die Wirtschaft in der Euro-Zone dahindümpelt, ist die Stimmung an der Börse ausgezeichnet. Hier fliessen allerdings neben den genannten Gründen weitere Faktoren hinzu: Einerseits wird eine weitere Senkung des sich ohnehin schon im historischen Tief befindlichen Euro-Leitzinssatzes von 0,75 Punkten erwartet. Eine im Sinne der Aktionäre positive Entscheidung seitens der EZB gilt als sicher, da vor allem in den südlichen Euroländern kaum mit einer wirtschaftlichen Erholung gerechnet werden kann. Des Weiteren bedeutet das aktuelle Wegbrechen von attraktiven Absatzmärkten wie zum Beispiel China, das auch an einer schwachen Konjunktur leidet, ein Abschmelzen von Arbeitsplätzen in europäischen Unternehmen. Wie eh und je führt ein Überangebot von Arbeitskräften zu günstigen Verhandlungspositionen seitens er Arbeitgeber. Unweigerlich erhöhen die daraus resultierenden Einsparungen bei den Lohnkosten die Gewinnmargen, wodurch die Aktien der Unternehmen noch mehr gefragt sein werden – mit der Folge weiterer Kurssteigerungen.

Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de